Tragikomische Oper in 2 Akten
Libretto von Frank Bruder
Dauer: 100 min., Besetzung : Soli, Chor und Orchester, 2.2.2.2.-2.2.2.1. Pk., Schlagwerk, Streicher
Die Oper "Der Kyklop" wurde bereits im Frühjahr 1997 von der künstlerischen Leitung (Harry Kupfer) und der Dramaturgie (Jürgen Genzel) der Komischen Oper Berlin angenommen. Jochen Kowalski war als Counter-Tenor für die Uraufführung am 6.12.97 im Großen Haus vorgesehen. Aus Etatgründen musste die Uraufführung aber abgesetzt werden. Das Werk ist also wieder zur Uraufführung frei.
Die Oper fasst auf dem einzig vollständig erhaltegebliebenen Satyrspiel der Griechen, dem "Kyklop" von Euripides. Im Zentrum des Stücks stehen die von ihrem Vater Silenos angeführten bocksgestaltigen und pferdeschwänzigen Zwitterwesen, die der Gattung des Satyrspiels den Namen gegeben haben dürften. Eigentlich frohe, lebenslustige Gefährten des Weingottes Dionysos fristen sie auf der Insel Sizlien, auf die sie ein Sturm trieb, ein karges, freudloses Leben im Dienste ihres neuen Herrn, dem Kyklopen Polyphem. Mit der Ankunft Odysseus, den Euripides unter bewusster Bezugnahme auf die bekannte Geschichte aus dem neunten Buch von Homers Odyssee ins Dramengeschehen eingreifen lässt, scheint das trostlose abstinente Dasein ein Ende zu finden. Wie die Satyrn wurden auch Odysseus und seine Männer durch einen Sturm auf die Insel verschlagen. Da sie für ihre Weiterfahrt nun aber Essen und Trinken benötigen, schlägt Odysseus dem Ältesten der Satyrn, Silenios, einen Handel Verpflegung gegen Wein vor. Schnell stimmt Silenios, der den "Rebensaft" so lange entbehrte, dem Vorschlag zu. Dass er dabei das Eigentum seines Herrn verschachert, kümmert ihn erst, als dieser mit Getöse die Szene betritt. Vom Kyklopen gefragt, wer die Schuld an dem Diebstahl trage, nennt Silenios als einzig Schuldigen Odysseus. Dieser versucht zwar noch, sich mit Hilfe seiner Redekunst aus der bedrohlichen Lage zu retten, der Kyklop aber will davon nichts hören, zudem mag er "Menschenfleisch recht gerne". Der Riese scheucht daraufhin Odysseus und dessen Männer in seine Höhle, wo er recht bald zwei der Männer verschlingt.
Mit Glück und List gelingt es Odysseus, sich aus den Klauen des Ungetüms zu befreien. Mit einer anfeuernden Rede begeistert er Silenios und seine Satyrn für seinen Plan, den Kyklopen zuerst betrunken zu machen, ihm schließlich sein Auge auszustechen, um so dann gemeinsam von der Insel fliehen zu können. Als Odysseus die Satyrn jedoch im entscheidenden Moment um Mithilfe bittet, können sie vor Feigheit keinen Knochen mehr rühren. Alles, was sie zum Gelingen des Plans beizutragen vermögen, ist ein Lied zu singen. Dennoch schaffen Odysseus und seine Männer es, dem Kyklopen mit einem Brandpfahl sein Auge auszustechen. Blind und rasend vor Wut eilt der so entstellte Kyklop aus der Höhle, unter der ihn schon die nun wieder auftriumphierenden Satyrn erwarten. In einem zynischen Frage- und Antwortspiel führen sie den tödlichen Sturz des Kyklopen von einer Klippe herbei. Der Weg in die Freiheit steht damit für Odysseus wie die Satyrn offen. Es ist eine Freiheit, die durch den linkischen Opportunismus der Satyrn jedoch schon von Anfang an in Frage gestellt werden muss.
Ansichtsmaterial stellen wir Ihnen gern auf Anforderung zur Verfügung.