Stimmen zur europäischen Erstaufführung mit der Norddeutschen Philharmonie, Leitung: Frank Strobel, in Rostock




. . . Das war Phantastisch! Das war das Ideal einer medienübergreifenden Zusammenarbeit mit einem wundervollen Ergebnis, das ja auch deutschlandweites Aufsehen erregte. . .

Enoch Lemcke (Rostocker Kultursenator)



. . . Schultheis verdichtet die Wirkung des Films, indem er dramatische Akzente setzt, Ironie und Humor leicht überspitzt. Mit Leitmotiv-Techniken bringt er außerdem die dramaturgische Gliederung des Filmes in eine hörbare Form oder unterlegt diese dem Film sogar. Schultheis liefert damit weit mehr als nur eine atmosphärische Schilderung der Bilder. Seine Musik ist in gewissem Sinne auch eine Sehhilfe, wie sie bei Stummfilmen mit ihrem pantomimischen Spiel durchaus willkommen ist, ja, sie hilft sogar über manch eine Umständlichkeit hinweg, die dem rund 110- minütigen Filmklassiker trotz aller Fortschrittlichkeit anhaftet. . .

Andreas Waczkat (Ostsee-Zeitung, Rostock.)



Walpurgisnacht der Töne
Der junge Komponist, versiert im Umgang mit dem Medium und international bekannt für seine Filmmusiken, zeigt sich hier als Meister des Genres. Es gelingt ihm, Bild und Klang zu konfrontieren und die Ideen des Regisseurs so mitzugestalten, dass am Ende ein überzeugendes Gesamtkunstwerk entsteht.

Ana Popescu (Frankfurter Allgemeine Zeitung)



Die Musik nicht einfach nur der Knecht des Films.
Zunächst scheint die Musik von Schultheis durchaus im Arsenal üblicher begleitender Filmmusik zu bleiben. Sie hat den illustrierenden Gestus, das Fluten der Streicher, die sonore Euphorie der Hörner, die Unheimlichkeitsgesten der tiefen Holzbläser.
Aber der Komponist belässt dies nicht im gewohnten öligen Sound. Er rauht ihn auf, macht ihn kantig, kombiniert ihn eher aus klanglichen und rhythmischen Elementen. Und wenn er sich eine ausschwingende Melodie gestattet (wie natürlich beim holden, armen Gretchen) dann ironisiert er sie gleich in ihrer Banalität. So steht diese Musik quer zum Film, stört seine Dramaturgie, seine schwer erträgliche Melodramatik, seine einfache polarisierende hochherzige Moral - und stört den Zuschauer auf. Aber Schultheis macht dies nicht mit dem denunzierenden Zeigefinger. Immer wieder schwenkt die Musik auch in die Spur des Filmes ein, folgt der Stimmung und dem Rhythmus der Sequenzen. Und immer wieder hakt sie sich aus, liefert einen konterkarierenden Kommentar, überbrückt einen melodramatischen Schnitt oder bricht eine emphatische Szene - und man weiß nie vorher, wann sie dieses oder jenes tun wird. Das lieferte einen Großteil der pikanten Spannung des Abends.

Heinz-Jürgen Staszak (Norddeutsche Neueste Nachrichten.)