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Heinz Tiessen gehörte nicht nur aufgrund seines Engagements
für Schönberg zu den Schlüsselfiguren der Musik des 20. Jahrhunderts.
Für die Entwicklung der Neuen Musik spielte er im Allgemeinen Deutschen
Musikverein (ADMV) und der Internationalen Gesellschaft für Neue
Musik (IGNM) eine tragende Rolle und seine schriftstellerischen Arbeiten
zeugen von profunder Kenntnis der Musik seiner Zeitgenossen. Als Komponist
fand Tiessen schon früh die Anerkennung von Publikum und Fachwelt. Aus
einer Kritik von Georg Schünemann: "Zur Hamlet-Aufführung
(Max Reinhardts) hat Heinz Tiessen eine Schauspielmusik geschrieben,
die zum ersten Mal musikalische Werte unserer Zeit in den Dienst Shakespeares
stellt. Gleich die Ouvertüre ist aus modernem Empfinden und eigener
Kunstbetrachtung entstanden, ein expressionistisches Klangbild von scharf
geprägter Eigenart. Und diese neue Ausdruckstechnik, in Harmonik und
Melodieführung durchweg eingehalten, durchdringt alle Einlagen.
Das Hauptstück ist die Ophelia-Musik.Da ist Tiessen ein geniales
Stück gelungen, von starker Empfindung getragen und ganz aus eigenem
Fühlen gestaltet. Man spürt die moderne Linie der Melodik, den
großen Atem ausdrucksstarken Gesangs, wie er nur wenigen gelingt"
(Deutsche Allg. Zeitg., 13.1.1920)
Tiessen studierte in Berlin an der Universität und am Stern'schen
Konservatorium und war 1918-21 Komponist von Schauspielmusik und Kapellmeister
der Berliner Volksbühne. Er war 1925-45 Lehrer bzw. Professor an
der Berliner Musikhochschule und leitete 1946-49 das Städtische Konservatorium
und 1949-55 die Abteilung für Komposition und Theorie an der Berliner
Musikhochschule. 1955 wurde er von der Akademie der Künste in Berlin
(West) zum Direktor der Musikabteilung gewählt. Zu Tiessens Schülern
gehörten unter anderem Eduard Erdmann und Sergiu Celibidache. Bedeutende
Kompositionen sind die Sinfonie "Stirb und Werde" op.17, die Richard
Strauss zur Uraufführung beim Essener Tonkünstlerfest empfohlen
hat. Außerdem das "Vorspiel zu einem Revolutionsdrama" op.33, "Konzertante
Variationen für Klavier und Orchester" sowie Kammermusik, darunter vor
allem das "Amsel-Septett" op.20 (CDEinspielung MDG 525 0645-2, Rheinisches
Bach-Collegium, Ltg.:Klaus Peter Diller) und Lieder. (u.a. interpretiert
von Dietrich Fischer-Dieskau)
Die "Hamlet-Suite" op.30, die Sinfonie "Stirb und werde" op.17 und
das "Vorspiel zu einem Revolutionsdrama" op.33 wurden im Frühjahr
1996 vom RSB unter Leitung von Israel Yinon für DeutschlandRadio
Berlin neu eingespielt.
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Ries & Erler
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Sendemanuskript "Musik unserer
Zeit"(BR2) vom 19.09.2000
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