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Der gebürtige Rostocker und Wahl-Berliner Hanning Schröder
wurde 1896 geboren. Seine Biographie wurde durch die bewegte Geschichte unseres
Jahrhunderts geprägt.
Als junger Soldat erlebte er den Ersten Weltkrieg, zur Zeit der Weimarer
Republik studierte er zunächst Medizin, dann Musik. Einige seiner
Werke hatten bereits in den Konzertsälen von Freiburg, Jena, Rostock
und Berlin Anerkennung gefunden, er war als Bratscher in Orchestern und
in Kammermusikensembles (u.a. im Havemann-Ouartett und im Harlan-Trio
mit Peter Harlan und seiner späteren Frau Dr. Cornelia Auerbach) erfolgreich,
als ihm 1 935 das Berufsverbot erteilt wurde "Besuch" von der Gestapo,
Bespitzelung und ständige Bedrohung aufgrund seiner Kompositionen
von Arbeiterliedern in Kontakt mit Hanns Eisler und aufgrund der Tatsache,
daß er sich nicht von seiner Frau Jüdischer Abstammung trennte,
erschwerten sein Leben erheblich und machten ihm das Komponieren unmöglich.
Nach Jahren der Angst und Entbehrung engagierte sich Schröder
im entstehenden Kulturbetrieb der DDR (er leitete die Sektion Kammermusik
Im Ostberliner Verband deutscher Komponisten und Musikwissenschaftler,
lebte und musizierte aber im Westteil der Stadt, so daß ihm im
Osten vorgeworfen wurde, er engagiere sich zu stark "drüben".
Dasselbe wurde ihm nach dem Mauerbau im Westen vorgeworfen. Doch konnte
sich seine Musik dennoch vor allem im Westteil Berlins in den 60er und
70er Jahren erneut durchsetzen.
Er erhielt Kompositionsaufträge z.B. von den Berliner Festwochen
und wurde von einigen engagierten Künstlern zu Gehör gebracht
(u.a. von den Berliner Philharmonikern, vom Kreuzberger Streichquartett,
von Marianne und Wolfgang Boettcher, Peter Schwarz und von der "Gruppe
Neue Musik").
Seine Kompositionen überzeugen mit ihrer Klarheit und Transparenz
im Ausdruck und einer Konzentration auf das Wesentliche, die an Anton
Webern erinnert. Mit der Zwölftonmusik setzte sich Schröder
ebenso wie mit anderen Schulen auseinander, er schuf aber stets sehr
eigenständige Werke fernab von jeglichem Epigonentum.
Er komponierte bevorzugt für den eigenen Gebrauch, d.h. Kammermusik
mit einem Schwerpunkt auf der Bratsche. Nicht nur hierin war ihm Hindemith
eine verwandte Seele, sondern auch im Tonfall seiner Musik. Ein weiteres
Kennzeichen von Schröders musikalischer Sprache geht auf den Einfluß
von Willibald Gurlitt zurück, der ihn in Freiburg in den 70er Jahren
an die Alte Musik heranführte (u.a. Josquin de Pres) und deren Linearität
immer wieder als prägendes Stielement in Schröders Kompositionen
auftaucht.
Seine Musik verdient ohne Frage vermehrte Beachtung anläßlich
des Andenkens an seinen 100. Geburtstag und wir begrüßen,
daß im Jahr 1996 verschiedene Porträt-Konzerte mit seinen
Werken stattfinden werden.
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