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Als Gabriela Moyseowicz 1957 die Uraufführung ihrer
ersten, größeren Komposition an der Musikhochschule in
Krakow erlebte, ein Konzert für zwei Klaviere, war sie gerade 13
Jahre alt. Nach dem Besuch eines Lyzeums für Musik, Schwerpunkt
Klavierspiel, studierte sie and den Musikhochschulen in Krakow und
Katowice und schloss
ihre Studien in den Fächern Theorie, Dirigieren und Komposition
mit dem Magister-Diplom(1967) ab. In der Zeit von 1967 bis 1947 erhielt
sie
mehrere staatliche Aufträge und trat seit 1960 in Konzerten als
Solistin, auch mit eigenen Werken, auf.
Die kulturpolitisch hoffnungslose Situation zwang sie 1974
Polen
zu verlassen, da sie nach dem Tod ihrer Mutter keine finanzielle und
moralische Unterstützung mehr hatte.
Seitdem lebt sie in Berlin und arbeitet als Organistin,
Chorleiterin
und Pädagogin. Ihr kompositorisches Schaffen ist umfangreich und
vielfältig.
Es sind Werke für Orchester, Chor und Kammermusik - Ensembles und
Solo-Instrumente. Uraufführungen fanden sowohl im Rundfunk als
auch in öffentlichen Konzerten statt.
Exemplifikation eigener Ästhetik auf der Grundlage
des
"2. Klavierkonzerts" (Auszug)
Einer von vielen Gesichtspunkten, die in der heutigen Zeit als
gültig
erkannt werden, ist die Würdigung der Rolle der
Individualität
auf dem Gebiet des künstlerischen Schaffens. Daraus ergibt sich,
dass
die Rolle des Künstlers, eine eigene Konzeption zu entwickeln -
sowohl im Bereich der Ausdrucksmittel sowie auch im Bereich ihres
Inhalts,
der mit ihrer Hilfe weitergegeben wird - anerkannt wird.
Dodekaphonie und Punktualismus sind mir vor allem deshalb
fremd,
weil sie mir als avantgardistisches System nicht mehr aktuell
erscheinen
und weil sie meiner Meinung nach keine Quellen der Inspiration
darstellen.
Sie waren eine Übergangsetappe im Befreiungsprozess von tonalem
Denken und schufen die Grundlagen für eine vollkommen neue
Behandlung
des Klangmaterials.
Diese Systeme, wie auch die anderen parallel auftretenden
Richtungen,
waren aktuell in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts. Damals
war ihre Anwendung auch berechtigt. Ihr Gebrauch in der Gegenwart
stellt
eine Gefahr insofern dar, als sie eine Vermehrung der Werke, die von
Komposition dieser Richtung geschrieben wurden, bedeutet. Man muss die
Tatsache berücksichtigen, dass mit neuen Techniken auch neue
Inhalte erschienen
sind - mechanische Annahme der gegebenen Technik impliziert die
Übernahme
der ihr eigenen Ästhetik - was in summa zum Epigonentum führt.
Meiner Meinung nach sind die oben erwähnten Richtungen
als
Glieder einer Kette in der historischen Entwicklung der Musik behandelt
worden und müssen als ihr Ausgangspunkt erkannt werden. Die
scheinbare
Ausdehnung ihrer Ausdrucksmittel, die die Postdodekaphonie und ihr nahe
stehende Richtungen einführt, löst das Problem nicht.
Jeder Schöpfer muss eine eigene künstlerische
Intuition
haben - im wahrsten Sinne des Wortes - deren Folge eine entsprechende
Selektion und adäquate Benutzung der Ausdrucksmittel ist.
Ich bin davon überzeugt, dass eine Komposition eine
Integration
gehörter Ausdrücke höchsten Grades, ihre Sublimierung,
Umformung und Entfaltung sein muss, und keine fast wortwörtliche
Transposition.
Ich persönlich eliminiere außerinstrumentale
Effekte
sowie die sogenannte Präparierung von Instrumenten. An Stelle
dieser
Art Konkreta benutze ich Illusion in Gestalt unkonkreter Farben und
schwer
zu identifizierenden Höhen. Ich erziele diese Eindrücke durch
spezifische Klangfolgen.
Jedoch erst die Chronaksja (polnisch) - Ausdruck aus der
Kybernetik,
der Zeit bedeutet - dieser Art von Klangerscheinungen bestimmt die
Epitasis
der Komposition, und irgendein nicht fassbarer, enigmatischer
Koeffizient
- N o u m e n o n im Sinne Kants - gibt ihr den Rang eines Kunstwerkes.
Für den Künstler ist die innere Überzeugung und
die
Gewissheit der Richtigkeit des von ihm eingenommenen Standpunktes das
subjektive Kriterium, das er sich auf dem richtigen künstlerischen
Weg
befindet.
Das künstlerische Schaffen darf nicht durch die Haltung
der
Adressaten determiniert werden, für die jedes Novum fremd und
nicht
kommunikativ ist. Dennoch ist die Einführung neuer Werte das sine
qua
non der echten Kunst.
Dieses Problem werfe ich als Beispiel nur skizzenhaft auf, im
übrigen
decken sich meine Ansichten in meritum der Aufgabe mit dem Satz von
Lindsay
Anderson: "Wenn sich jemand als Künstler fühlt und nicht
prätentiös sein will, definiert er seine Philosophie durch
die Art und Weise, wie
er schöpferisch tätig ist."
Gabriela Moyseowicz - Katowice 1967
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