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Prof. Heribert Breuer – Gründer und Dirigent der
Berliner Bach Akademie studierte u.a. bei Helmuth Rilling, Hanns Martin
Schneidt, Ernst Pepping und Bernd Alois Zimmermann. Bereits zu Beginn seiner
Laufbahn, die Heribert Breuer 1968 als 23-jähriger an der Hauptkirche
St. Aegidien in Lübeck begann, lagen die Schwerpunkte seiner Arbeit
auf dem Gebiet der Chorleitung und der Komposition: Er gründete den
Lübecker Bachchor und veröffentlichte seine ersten Kompositionen.
Sein Weg führte ihn über Würzburg (1974 bis 1979 Künstlerischer
Leiter der Würzburger Bachtage) nach Aachen, dort ebenfalls in der
Funktion als Künstlerischer Leiter der Aachener Bachtage. 1982 wurde
Heribert Breuer als Professor für Chorleitung und Kontrapunkt an die
Universität der Künste Berlin berufen.Von 1991 – 2002 war er als
Organist und Verantwortlicher Leiter der Musik an der St. Matthäuskirche
im Kulturforum tätig.
1991, zur 1. Bachwoche St. Matthäus, gründete er die Berliner
Bach Akademie, ein Ensemble, das seinen Interpretations- und Klangvorstellungen
professionell entspricht. Konzertreisen als Organist und Dirigent führten
Heribert Breuer durch alle westeuropäischen Länder, USA und Lateinamerika.
Sein besonderes Interesse gilt den spanisch-sprechenden Ländern,
in denen er nicht nur als Organist und Gastdirigent konzertierte, sondern
auch Kurse an Musikhochschulen in Spanien, Brasilien, Argentinien und Mittelamerika
gab. Die Kritik lobte seine mitreißende Musikalität, seine Ausstrahlung
und nicht zuletzt seine interessante und dramaturgisch schlüssige
Programmkonzeption.
Die Kunst der Transcription
In Rom konzipierte Heribert Breuer während eines Villa-Massimo-Stipendiums
im Jahre 1973 /74 seine erste Transcription: Für Bachs nicht instrumentierten
Schwanengesang - der Kunst der Fuge - entstand damals eine Fassung für
vier polystilistisch besetzte Quartette, deren Ambitus von der Musica antiqua
bis zum Modern Jazz reicht. Seit deren Uraufführung bei den Würzburger
Bachtagen 1975 wurde diese Bearbeitung bei namhaften Festivals des In-
und Auslandes stürmisch gefeiert. Sowohl die Münchner wie auch
die Berliner Philharmoniker veranstalteten Sonderkonzerte und die im Bachjahr
2000 erschienene CD wurde als Tipp des Monats gehandelt: Hier ist Bach
neu durchdacht, Breuers Konzept der vier Quartette durchleuchtet diese
Bibel des Kontrapunkts ungewohnt, erzielt damit ungeahnte Transparenz. (Wolfgang
Loeckle, Bayerischer Rundfunk)
Seit diesem bahnbrechenden Anfang hat sich Heribert Breuer immer tiefer
in dieses Terrain eingearbeitet. In seiner Werkauswahl bevorzugt er Kompositionen,
die eher ein Schattendasein fristen und die er deswegen „in neuen Kleidern“
einem breiteren Publikum erschließen möchte.
So entstanden im Laufe der Zeit abendfüllende Programme für
die verschiedensten Besetzungen: Als profunder Kenner und Interpret der
Bach’schen Orgelwerke fasste Breuer sechs der großen Toccaten, Fantasien,
Praeludien und Fugen zu einem Konzertzyklus zusammen, in dem drei Bläsersolisten
dem Streichertutti gegenübergestellt werden. Diese "Neuen Brandenburgischen
Konzerte"wurden von den Professorenkollegen Roswitha Staege und Klaus Thunemann
uraufgeführt und sind unter dem Titel "BACH - Metamorphosen" veröffentlicht.
Neben einzeln stehenden Transcriptionen von Praeludium und Fuge in Es-dur
BWV 522 und d-moll BWV 546 ("für das barocke Festorchester") ist
als zweiter Zyklus die Bearbeitung der sog. "Großen Orgelmesse"in
eine Orchestermesse MISSA INSTRUMENTALIS hervorzuheben. Hier ging es Breuer
nicht darum, den spezifischen Orgelklang auf ein Orchester zu übertragen,
wohl aber sollte der Programmradius der Bach'schen Orchesterkompositionen
erweitert werden. Darüber hinaus war es sein Anliegen, dem Zuhörer
die komplexe Struktur dieser Werke transparenter zu mache, als dies bei einem
Orgelkonzert in zumeist halliger Akustik möglich wäre.
Breuers vornehmliches Ziel ist niemals der hybride Versuch, die Kompositionen
zu "verbessern", sondern erhebt immer den Anspruch, deren Geist notengetreu
widerzuspiegeln. "Notengetreu" heißt für ihn allerdings nicht
"Buchstabengetreu". Als Komponist fühlt sich Breuer immer auch seinem
eigenen schöpferischen Impetus verpflichtet. Dies unterscheidet ihn
wohl grundlegend von einem bloßen Arrangeur: Breuer komponiert oft
auch Stimmen hinzu und erreicht damit eine Sublimierung des Klanges und der
Ausdruckskraft eines Werkes. Dennoch - oder gerade deswegen - schrieb einmal
ein Kritiker: "Breuers Transcriptionen sind so beschaffen, als wenn sie vom
Komponisten des Werkes selbst verfasst wären."
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